Pilgertagebuch vom Jakobsweg am 27.03.2013

Veröffentlicht am 28. March 2013 | Themen: Erlebnispädagogik, Jakobsweg, Pilgertagebuch

Alle sind glücklich, denn heute haben wir einen Ruhetag. Blasen können austrocknen, Muskelkater kann gepflegt werden und Wäsche kann gewaschen werden. Dem immer noch fallenden Regen zeigen wir hinter der Fensterscheibe eine lange Nase.

Alle durften länger schlafen und sitzen ausgeruht vor dem Frühstück. Bei frischem Baguette und Toast lassen es sich alle munden.

Versehen mit einem Lunchpaket fahren wir erst um 1330 Uhr in das nächste Städtchen - Comillas. Eine lange Bucht öffnet sich vor unseren Augen, die von einem langen Sandstrand umsäumt wird. Links und rechts bauen sich steile Felsen auf, an die der wilde Atlantik, nach seiner langen Fahrt von Amerika, wild anbrandet. Das Wetter? Na ja - wer ihm morgens eine lange Nase zieht! 

„Meidet die Möwe den Himmel wohl, dem Fischer Angst wird um sein Wohl!“ altes baskisches Sprichwort. Himmel und Horizont verschwimmen vor unseren Augen, die sich zudem ständig ob des Regens mit Wasser füllen. Doch niemand lässt es sich entgehen, am Strand nach Muscheln, Strandgut oder Flaschenpost zu erkunden. Eine Gruppe findet einen Katzenhai, der wohl in Folge einer Verletzung durch einen Angelhaken nicht mehr die Kraft hatte, sich gegen die wilde Brandung zur Wehr zu setzen.

Ein gestrandeter Katzenhai

Ein gestrandeter Katzenhai

Der ein Meter lange Fisch wies ein durchaus stattliches Gebiss vor, so dass alle ihn argwöhnisch betrachteten. Doch dem Hai stand schon lange nicht mehr der Sinn nach beißen.

Das Städtchen hatte aber auch kulturell einiges zu bieten - schöne Kirchen, ein ehemaliges Kloster in dem nun Priesterseminare stattfanden. Entlang des Strandes fanden sich auch gemütliche Cafés, in denen sich bei Kaffee oder Tee wohlfeil über Kultur, Land und Leute diskutieren ließ. Die Pädagogen genossen jedenfalls die Ruhe.

Am späten Nachmittag verließen wir den Strand und fuhren zu unserer Herberge zurück. Während dessen fuhren Klaus R. und Michael O. gemeinsam weiter, um an den nächsten Zielorten eine Herberge zu buchen. Leider musste Klaus auch einen Arzt aufsuchen, weil er sich in einer der unbequemen Nächte eine schmerzhafte Nackenverspannung zugezogen hatte.

Am Platz angekommen verteilten sich die Kinder im Gelände. Manche zogen ins Dorf, einige spielten Fußball, hörten Musik oder entspannten sich im gemeinsamen lautstarken Gespräch.

Kurz danach begannen die Vorbereitungen für das Abendessen - es soll Knoblauch mit Käsenudeln als Beilage geben. Man hörte, dass schon einige erhebliche Ängste und Sorgen vor der folgenden Nacht haben sollen. Allen Unkenrufen zum Trotze schmeckte das Essen sehr gut, wurde von allen gelobt und in der Hauptsache wurden alle satt. Michael O. bekam liebevoll zubereitete Bratkartoffeln, denn der Arme mag keine Nudeln und musste sich schon an einigen Tagen abends von Brot ernähren.

Der Abend klang langsam aus, erste Taschen und Koffer wurden schon gepackt und viele schliefen mit dem Gedanken, was uns denn morgen wieder erwarten würde, ein.

Buenas noches!