Pilgertagebuch vom Jakobsweg am 26.03.2013

Veröffentlicht am 28. March 2013 | Themen: Erlebnispädagogik, Jakobsweg, Pilgertagebuch

25 Kilometer von Puente San Miguel nach La Iglesia … Umweg, Abweg, Irrweg, Pilgerweg!

Endlich erreichten sie ihr Ziel - die Jugendherberge in La Iglesia. Das Motto des heutigen Tages war nach Susanne Baucke heute: Umweg, Abweg, Irrweg, Pilgerweg.

Doch nun lieber von Anfang an.

Die Nacht auf dem Platz kann wirklich nicht als kuschelig und heimelig beschrieben werden. Fast unablässig prasselte der Regen auf die Zelte. Manche Zelte hielten dieser Belastung nicht stand und gaben nach stundenlangem Regen auf.  Sie konnten ihre Aufgabe, die Schläfer zu schützen, nicht mehr erfüllen und innen glichen sie meist nur noch großen Feuchtbiotopen. Dementsprechend niedergeschlagen war die Stimmung und es dauerte lange, bis wir endlich den Platz geräumt hatten.  Die ehemals grünen Wiesen waren zerfurcht und überall trat der Schlamm zu Tage. Viele Rucksäcke hatten ihre ursprüngliche Farbe verloren und trugen nun ein einheitliches, schmutziges Braun.

Nach dem Frühstück wurden die Reste verpackt und das nächste Ziel wurde in Angriff genommen. Heute war nicht der Weg das Ziel, sondern das Ziel bestimmte den Weg. 

Leider konnte ich nicht mit wandern, sondern musste mit einem Jungen zum Arzt, denn er hatte sich eine Binderhautentzündung zugezogen und er sah schon aus wie ein Pirat, dem die Augenklappe entwendet worden war.

Es war erstaunlich unproblematisch beim Arzt, wo er schnell behandelt wurde. In der nächsten Apotheke erhielten wir Augentropfen und fuhren dann gemeinsam durch die Orte und suchten einen Supermarkt. Zwei vollgeladene Einkaufswagen verpackten wir in den Bus und fuhren nach Santillana del Mar, wo die anderen schon hungrig und durstig auf die Verpflegung warteten. Dieses kleine Städtchen war wunderschön und die meisten der mittelalterlichen Gebäude waren begeisternd renoviert.

Nach kurzer Pause wanderten alle los und ich fuhr mit Michael O. ab, um eine Herberge zu suchen. In La Iglesia hatten wir Glück, denn dort konnten wir eine kleine Jugendherberg buchen, die wir zudem auch alleine für uns hatten. Auch dieses Städtchen hatte einen schönen, mittelalterlichen Kern und ringsherum gab es wunderschöne Kirchen und Klöster.

Kaum hatten wir alle Modalitäten besprochen, wir wollte zwei Tage bleiben, damit sich Kinder und Pädagogen ihrer Schwimmhäute und deprimierter Stimmung entledigen konnten, wurden wir von Klaus Regber angerufen. Er bat uns, sie in einem kleinen Ort abzuholen, weil einige der jüngeren Kinder erschöpft waren. Nach 45 Minuten hatten wir die Gruppe gefunden. Sie waren 19 Kilometer gelaufen; nicht berücksichtigt sind hier die Kilometer, die man erwandern musste, weil man sich verirrt hatte. Wie glücklich erstrahlten die Gesichter, als wir ihnen mitteilten, dass sie nicht im Zelt schlafen mussten, sondern ein festes Haus ihr Nachtlager beherbergen würde. Michael O. kaufte mittlerweile die restlichen Lebensmittel für das Nachtmahl. Kaum in der Jugendherberge angekommen, die ersten Kinder bezogen ihre Betten, rief die nächste Gruppe an, diese war mit den kräftigeren Kindern weitergezogen und wollte unbedingt noch das Ziel erreichen und bat auch um Abholung. Die hereinbrechende Dunkelheit verhinderte den Weitermarsch.

Trotz der wirklich widrigen Bedingungen trafen wir auf eine wohlgelaunte, singende Gruppe, deren Stimmung immer besser wurde, als auch sie von der Herberge und dem folgenden Ruhetag erfuhren.

In der Herberge angekommen empfing uns ein herrlicher Geruch von frischen Bratkartoffeln. Es war erstaunlich, wie schnell die zehn Kilo Kartoffeln zur Neige gingen. Ebenso fanden die Brühwürstchen einen regen Zuspruch. Lange noch tobte das Leben durch die Räume und alle brauchten lange, bis sie endlich den wohlverdienten Schlaf fanden. Manch einer mag mit einem Lächeln auf den Lippen eingeschlafen sein, denn er freute sich auf den morgigen Tag der Ruhe. Gute Nacht!